Impfen statt schimpfen – Mitdenken statt Querdenken

Veröffentlicht am 17.01.2022 in Kreisverband

Seit langer Zeit zieht eine wachsende Menschenmenge Woche für Woche durch Freiburg um gegen die Corona-Maßnahmen zu demonstrieren. Mittlerweile hat sich auch eine Gegeninitiative gegründet, die sich FreiVAC – Freiburger Bündnis gegen Verschwörungsideologie, Antisemitismus & Coronaverharmlosung nennt und für den 15. Januar zu einer ersten großen Kundgegebung am Freiburger Platz der alten Synagoge aufgerufen hat.

Die Badische Zeitung schreibt von 2.500 Teilnehmern, die Veranstalter sagen 3.500 und ich sage: Ziemlich viele. Klar weniger als bei den Schwurblern, aber aus dem Stand den Platz der alten Synagoge coronagemäß befüllen, ist aller Ehren wert. Und ja, zur Wahrheit gehört auch, dass die Gegenseite 6.000 Menschen mobilisiert hat. Dort haben sie aber im Vorfeld auf über 10.000 gehofft.

Der Schwerpunkt der Kritik bei der FreiVAC-Demo, so mein Eindruck, lag auf dem in Teilen sehr antisemitischen Narrativ der Corona-Leugner oder Querdenker oder wie auch immer sie genannt werden wollen. Dieser Narrativ ist mal mehr mal weniger unterschwellig vorhanden, egal wie stark das auch immer abgestritten wird und natürlich auch dann, wenn aus der Menge ein „Gegen Antisemitismus“-Schild herausragt.

In Freiburg kommen aber mindestens noch zwei weitere Aspekte zum Tragen: Die Szene ist stark von Esoterikern geprägt, die wahlweise das Virus anzweifeln und das „Immunsystem“ geradezu kultisch verehren. Vermutlich wissen diese Leute, wie man den Coronaviren mit der Klangschale und Globuli die Spikeproteine verbiegt.

Erschreckend aber ist schlicht die Zahl derer, die lauthals „Diktatur“ und „Freiheit“ brüllen, aber schlicht und ergreifend nur sich selbst meinen. Für diese Menschen gibt es nur ihre eigene Freiheit. Der Egoismus tropft ihnen aus allen Poren. Wen interessiert das Gesundheitswesen, wenn man eine Zeit lang mal nicht mit den Freunden zum Snowboarden kann. Unter diesem Aspekt wirken die Herzchen-Luftballons, mit denen die Querdenker durch Freiburg zogen, schlicht wie ein Hohn für alle, die in der Pandemie Angehörige verloren haben oder auf den Intensivstationen erschöpft um Menschenleben kämpfen.

Ich habe nicht den Eindruck, dass man diese Leute noch erreichen kann. Ich habe nicht den Eindruck, dass das verunsicherte Menschen sind, mit denen man sprechen oder auf die man zugehen muss. Wir müssen dagegenhalten. Das erkennt man sehr schnell, wenn man sich den Telegram-Kanal der Freiburger Schwurbler mit dem Namen FreiSeinFreiburg mal anschaut. Zur Demo vom Wochenende schreibt da einer:

„Freiburg 15.01.2022. Gegendemonstration, die von mehreren politischen Parteien unterstützt wurde. Also eine Demonstration gegen die Freiheit, für die Coronamassnahmen, für eine experimentelle Pharmabehandlung die fälschlicherweise als Impfung bezeichnet. Schaut mal, wie Angstgezeichnet diese Menschen dastehen. Sie tragen FFP2 im Freien.“ Die Fehler sind aus dem Original übernommen. 

Was gibt es da noch zu diskutieren? Mit welchem Argument soll man so jemand noch erreichen? Es wird nicht gelingen. Deshalb braucht es da klare Kante und deshalb unterstütze ich FreiVAC und werde auch an weiteren Demos wieder teilnehmen.

Ach ja! Wie war das mit der Nähe zu den Ultrarechten? Im selben Chatverlauf steht auch ein Video des AfD-Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse. Dessen Immunität wurde gerade erst vom Bundestag aufgehoben. Ihm steht ein Strafverfahren ins Haus wegen Widerstand gegen Polizeibeamte und Fälschung von Gesundheitszeugnissen. Auch sonst verirrt sich die ein oder andere Veröffentlichung der AfD gerne mal in die Gruppe ...

Text: Oswald Prucker
Bilder: Helge Birke (queerfoto.de)

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